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Literaturtipp

„Tyll“ – Buchtipp für den Advent von Christoph Ennsthaler

in Kunst & Kultur/Literaturtipp

Tyll Ulenspiegel – Spielmann, Schausteller und Provokateur – wird zu Beginn des 17. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf geboren. Sein Vater, ein Magier und Welterforscher, gerät mit der Kirche in Konflikt, Tyll muss fliehen. In Begleitung der Bäckerstochter Nele führt ihn der Weg durch das von Religionskriegen zerüttete Land.

Daniel Kehlmanns neuer Roman „Tyll“ ist ein buntes Figurenpanorama und der titelgebende Schelm der rote Faden, der uns durch diese Geschichte trägt. In jeder der acht Episoden lernen wir einen neuen Schauplatz des Dreißigjährigen Krieges kennen, immer steht jemand anders im Mittelpunkt: der junge Gelehrte Martin von Wolkenstein, der unbedingt den Krieg kennenlernen möchte, der melancholische Henker Tilman oder der weise Athanasius Kircher, dessen Geheimnis darin besteht, dass er seine Versuchsergebnisse erschwindelt und erfunden hat.

Immer dabei, mal prominent, mal ganz am Rande: der rätselhafte Gaukler Tyll, der, zwischen Bauern- und Fürstenhöfen tingelnd, beschlossen hat, niemals zu sterben.

Christoph Ennsthaler © Foto: Bringschuld

Daniel Kehlmann, Tyll; Rowohlt;
Hardcover, 480 Seiten, € 23,60

Hochgatterer liest im Museum Arbeitswelt

in Ausgehen/Literaturtipp

„Der Tag, an dem Mein Großvater ein Held war“ ist der Titel, der berührenden Geschichte über Angst, Sehnsucht und Alltag im Krieg, die für den Österreichischen Buchpreis 2017 nominiert war. Paulus Hochgatterer wird daraus am Mittwoch, dem 6. Dezember, um 19 Uhr im Museum Arbeitswelt Steyr lesen.  

Paulus Hochgatterer, © Corn

Für „Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war“ hat sich Paulus Hochgatterer viel Zeit gelassen. Zuletzt war 2010 sein Dorfroman „Das Matratzenhaus“ erschienen, in dem wie so oft in seinen Werken Heranwachsende im Mittelpunkt stehen.

Hochgatterer selbst über den Antrieb, dieses Buch zu schreiben: „Weil die Eltern sterben und damit werden die Geschichten, die sie uns erzählt haben, von niemandem mehr erzählt und gehen verloren, wenn wir sie nicht aufschreiben“. Daraus ist ein schmales, aber beeindruckendes Werk entstanden, mit dem er dieses Jahr auf die Shortlist des Österreichischen Buchpreises nominiert wurde.

Hochgatterer, geboren 1961 in Amstetten, lebt als Schriftsteller und Kinderpsychiater in Wien.  In seinem neuesten Werk beschreibt er die Geschehnisse auf einem Bauernhof im Mostviertel während der letzten Kriegsmonate. In dieser Zeit taucht dort ein ungefähr dreizehnjähriges Mädchen namens Nelli auf, verstört und offenbar ohne Erinnerung. Nelli wird aufgenommen und wächst in die Bauersfamilie hinein. Einige Monate später kommt eines Nachts ein junger russischer Zwangsarbeiter auf den Hof. Er hat nichts bei sich außer einer Leinwandrolle, die er hütet wie seinen Augapfel. Zwischen ihm und dem Mädchen entspinnt sich eine zarte Beziehung, die durch das Eintreffen einer Gruppe von Wehrmachtssoldaten blitzartig unterbrochen wird. Auf 112 Seiten erzählt Hochgatterer glanzvoll und fulminant die Geschichte eines verschollenen Gemäldes – und von einem einfachen Mann, der zum Helden wird.

Es wird um Anmeldung unter 07252 77351-0 oder anmeldung@museum-steyr.at gebeten.

Eintritt: € 10 / € 8 ermäßigt

Literatur Tipp von Christoph Ennsthaler

in Ausgehen/Kunst & Kultur/Literaturtipp

Strandbadrevolution

Einen Sommer wie damals verspricht Kurt Palms neues Buch Strandbadrevolution. Angesiedelt im Jahr 1972, irgendwo in der österreichischen Provinz, gelangen seine jugendlichen Protagonisten in ein amüsantes Spannungsfeld zwischen Marx und Coca-Cola, zwischen politischem Erwachen und ersten Aufriss-Versuchen in der Dorfdisco. Dass dies den Jungrevoluzzern nicht immer so gelingt wie erhofft, ist zum einen abzusehen und zum anderen sehr unterhaltsam.

Den Soundtrack zum Buch liefern die Rolling Stones, die sich hier zudem als profunde Lebenshilferatgeber erweisen. Kurt Palm, der in den Siebzigern einst selbst die Revolution in „Timelkam und Umgebung“ ausrief, liefert ein über weite Strecken lustiges, mit durchaus ernsten und melancholischen Tönen durchsetztes, stets flüssiges Lesevergnügen mit Wiedererkennungswert.

Christoph Ennsthaler © Foto: Bringschuld

Am besten lässt sich in diese fiktive Geschichte mit „biografischen Einsprengseln“ in der Schwimmschule oder an einem der Schotterstrände der Steyr eintauchen.

Kurt Palm, Strandbadrevolution
Hardcover, 256 Seiten, € 20,60

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