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Lesung

ROBERT MENASSE LIEST AUS SEINEM EUROPA-ROMAN „DIE HAUPTSTADT“

in Kunst & Kultur/Literaturtipp

Der österreichische Ausnahmeschriftsteller kommt mit seinem lang erwarteten Roman „Die Hauptstadt“ am Dienstag, dem 16. Jänner, um 19 Uhr ins Museum Arbeitswelt Steyr. In seinem neuesten Werk nimmt Menasse das aus der Ferne monoton wirkende Bild der EU-Zentrale auseinander und baut um diese einen ebenso humorvollen wie tiefsinnigen Roman auf, für den er im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde.

Robert Menasse, © Rafaela Proell

Menasse selbst galt jahrelang als Kritiker der EU, welcher er demokratiepolitische Defizite nachsagte. Mittlerweile ist er einer ihrer wortgewaltigsten Verteidiger geworden, da er, wie er selbst sagt, einen Denkfehler machte. Als er mit seinen Recherchen begann, wurde ihm schnell klar, dass alle Defizite der EU-Institutionen Folgen des Widerstands der Nationalstaaten waren. Deren Blockadehaltung verhindere eine Weiterentwicklung der EU, so der Autor. Ergebnis eines ersten längeren Aufenthalts in Brüssel war sein bereits 2012 veröffentlichter Essay „Der europäische Landbote“, in dem er brillant analysiert, wie sehr das nationalstaatliche Denken jede Idee einer europäischen Gemeinschaft torpediert. Er plädiert darin für ein nicht mehr nationales „Europa der Regionen“. Regionen seien laut Menasse nicht aggressiv, sondern kooperativ und pazifistisch. Zudem würde das regionale Bewusstsein aufgrund seiner überschaubaren Geschichte viel identitätsstiftender sein, als es Nationen überhaupt können, da diese letztlich immer durch Eroberungs- und Einigungskriege konstruiert wurden.

ROMAN ÜBER DIE EUROPÄISCHE UNION

Die Recherchen für „Die Hauptstadt“ nahmen mehr Zeit in Anspruch. Menasse hat heute einen Zweitwohnsitz in Brüssel. Er wollte nicht nur die EU besser kennenlernen und verstehen, wie sie funktioniert, sondern auch die Menschen, die dort täglich ihrer Arbeit nachgehen. Entstanden ist daraus ein großer Gesellschaftsroman mit Elementen eines Krimis, der ebenso wie seine Streitschrift als ein Plädoyer für Europa gelesen werden kann. Er nimmt die aus der Ferne oft langweilig erscheinende Welt der sogenannten „Eurokraten“ unter die Lupe. Mit subtilem Humor baut er auf knapp 400 Seiten einen vielschichtigen Roman auf, der immer wieder zwischen Fiktion und Wirklichkeit wechselt. Am Beispiel zahlreicher Figuren und Erzählstränge entwirft er ein schillerndes Panorama der europäischen Eliten.

So steht Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; »zu den Akten legen« wäre zu viel gesagt, denn die sind unauffindbar. Und Alois Erhart, emeritierter Professor der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten.

Menasse wird im Rahmen der Lesung ebenso wie in seinem Roman einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen spannen. Da es keinen Vorverkauf gibt, wird um Anmeldung unter Tel. 07252 77351-0 bzw. per Mail unter anmeldung@museum-steyr.at gebeten. Eintritt: € 10 / € 8 ermäßigt

ÜBER DEN AUTOR

Robert Menasse, 1954 in Wien geboren, studierte Germanistik, Philosophie sowie Politikwissenschaft. Er lebt als Literat und kulturkritischer Essayist hauptsächlich in Wien. Zuletzt veröffentlichte er: „Der europäische Landbote“ (2012), „Heimat ist die schönste Utopie“ (2014) und „Die Hauptstadt“ (2017).

Hochgatterer liest im Museum Arbeitswelt

in Kunst & Kultur/Veranstaltungen

„Der Tag, an dem Mein Großvater ein Held war“ ist der Titel, der berührenden Geschichte über Angst, Sehnsucht und Alltag im Krieg, die für den Österreichischen Buchpreis 2017 nominiert war. Paulus Hochgatterer wird daraus am Mittwoch, dem 6. Dezember, um 19 Uhr im Museum Arbeitswelt Steyr lesen.  

Paulus Hochgatterer, © Corn

Für „Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war“ hat sich Paulus Hochgatterer viel Zeit gelassen. Zuletzt war 2010 sein Dorfroman „Das Matratzenhaus“ erschienen, in dem wie so oft in seinen Werken Heranwachsende im Mittelpunkt stehen.

Hochgatterer selbst über den Antrieb, dieses Buch zu schreiben: „Weil die Eltern sterben und damit werden die Geschichten, die sie uns erzählt haben, von niemandem mehr erzählt und gehen verloren, wenn wir sie nicht aufschreiben“. Daraus ist ein schmales, aber beeindruckendes Werk entstanden, mit dem er dieses Jahr auf die Shortlist des Österreichischen Buchpreises nominiert wurde.

Hochgatterer, geboren 1961 in Amstetten, lebt als Schriftsteller und Kinderpsychiater in Wien.  In seinem neuesten Werk beschreibt er die Geschehnisse auf einem Bauernhof im Mostviertel während der letzten Kriegsmonate. In dieser Zeit taucht dort ein ungefähr dreizehnjähriges Mädchen namens Nelli auf, verstört und offenbar ohne Erinnerung. Nelli wird aufgenommen und wächst in die Bauersfamilie hinein. Einige Monate später kommt eines Nachts ein junger russischer Zwangsarbeiter auf den Hof. Er hat nichts bei sich außer einer Leinwandrolle, die er hütet wie seinen Augapfel. Zwischen ihm und dem Mädchen entspinnt sich eine zarte Beziehung, die durch das Eintreffen einer Gruppe von Wehrmachtssoldaten blitzartig unterbrochen wird. Auf 112 Seiten erzählt Hochgatterer glanzvoll und fulminant die Geschichte eines verschollenen Gemäldes – und von einem einfachen Mann, der zum Helden wird.

Es wird um Anmeldung unter 07252 77351-0 oder anmeldung@museum-steyr.at gebeten.

Eintritt: € 10 / € 8 ermäßigt

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