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Druntn im Münichholz

in Durch die Stadt mit .../Leben

mit Günter Rammerstorfer

Diesmal führt uns unsere Stadtteilreportage ins Münichholz, den jüngsten Stadtteil von Steyr, der rechtlich erst seit Dezember 1958 an die Stadt angegliedert wurde.

Ziemlich genau 60 Jahre später ist das Buch „Steyr Münichholz – Mustersiedlung, Glasscherbenviertel, Zukunftsmodell“ von Helmut Retzl und und Günter Rammerstorfer erschienen. Beide sind im Münichholz aufgewachsen und haben ihre Liebe und Leidenschaft für ihre alte Heimat nicht verloren.

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Steyr Münichholz – Mustersiedlung, Glasscherbenviertel, Zukunftsmodell. Erhältlich in der Buchhandlung Ennsthaler © Foto: Hannes Ecker

Günter Rammerstorfer hat sich für uns Zeit genommen, um uns bei einem Spaziergang durchs Münichholz zu erzählen, was ihn dazu bewegte, so viel Energie und Zeit in diesen Stadtteil zu investieren.

„Wir hatten eine schöne und unbeschwerte Kindheit hier im Münichholz. Alles war wild und abenteuerlich. Wir hatten den Wald, den Fluss, den Ramingbach, die Enns und unseren Stollen,“ erzählt Günter Rammerstorfer, der sich seinerzeit von seinen ersten ersparten Groschen eine Taschenlampe kaufte, um im Inneren des Luftschutz-Stollens nicht mehr im Finsteren zurückbleiben zu müssen – noch dazu alleine.

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Günter Rammerstorfer führt uns durchs Münichholz © Foto: Hannes Ecker

Schwimmen habe er in der Enns gelernt. Damals gab es noch eine Überfuhr zum Gasthaus Sandmair. Weil die größeren Buben bereits am anderen Ufer waren, wollte er, obwohl er noch nicht richtig schwimmen konnte, natürlich auch hinüber. So nahm er seinen ganzen Mut zusammen und schwamm neben der der Überfuhr, die gerade unterwegs war, hinüber. Er würde sich schon auf das Boot retten können, sollte sich das mit dem Schwimmen doch nicht so gut ausgehen, dachte er sich.

Aber es war natürlich nicht ganz ungefährlich zu dieser Zeit. Im Wald waren Waffen und in den Bombentrichtern in der Nähe des Kugellagers (heute SKF), den sogenannten „Todeskugeln“, musste man ganz schnell mit dem Fahrrad im Kreis fahren, um nicht hinabzustürzen.

Die vielen Grünanlagen, der Wald, die Gärten, all das trägt dazu bei, dass die Münichholzer ihren Stadtteil so sehr schätzen. Mit ländlichem Charakter und dennoch nahe dem Zentrum fühlt man sich wie in einem Dorf in der Stadt.

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Günter Rammerstorfer spaziert mit Stadtkult Steyr durch den Münichholzer Wald © Hannes Ecker

Bereits 1985 wurde der Verein „Bildungs- und Kulturarbeitskreis Steyr Münichholz“ gegründet, dem Günter Rammerstorfer heute noch als Obmann vorsteht. Es wurde recherchiert, gesammelt, archiviert – aber vor allem hörte man zu. Viele Zeitzeugen erzählten ihre Geschichten, die als historische Schätze der Stadt wertgeschätzt wurden.

Basierend auf dieser Recherchearbeit folgten dann Ausstellungen und letztendlich die Münichholzer Kulturtage, die eine kulturelle Öffnung zum Ziel hatten. Man versucht, jedem Tür und Tor zu öffnen, seine Werke, sein Können zu veröffentlichen, einen niederschwelligen Zugang zu ermöglichen, sich und sein Schaffen zu präsentieren.

Bis 1988 gab es intensive Bemühungen, den Stadtteil zu beleben. Diese Art von Gemeindeforschung legte letztendlich auch den Grundstein für Helmut Retzls Institut, das seit damals in Linz beheimatet ist.

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Daniela Limberger (Stadtkult Steyr) und Günter Rammerstorfer im Gespräch © Hannes Ecker

Nie wurden die beiden müde, ihren Einsatz und ihre Leidenschaft fürs Münichholz voranzutreiben, Geschichten zu sammeln und weiterzuerzählen. Danke dafür!

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