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Kulturtipp

Der Stadtkult des runden Leders

in Kulturtipp von Christoph Jungwirth/Leben
Der Stadtkult des runden Leders 1

London, Hamburg, Mailand oder auch Dortmund sind heutzutage die Reiseziele für Fußballfans.

Und die besonders Begeisterten fahren zum „Groundhopping“ – drei Tage in der Stadt, jeden Tag ein anderes Spiel, ein Besuch eines neuen „Soccer-Grounds“.

Der Stadtkult des runden Leders 2

Aber warum in die Ferne schweifen? 100 Jahre nach der Gründung des Steyrer Traditionsvereins SK Vorwärts Steyr feiern heuer Spieler und Fans. Das Geschichte-Projekt „Immer Vorwärts“ wurde von Michael Stockinger, Christian Kreil und Harald Minoth initiiert. Mehr zu diesem Stück Steyrer Sport- und Stadtkultur findet sich unter: immervorwaerts1919.wordpress.com

Also, warum in die Ferne schweifen bei so viel Fußball-Kultur in der alten Eisenstadt? Deswegen mein Kulturtipp: Groundhopping in Steyr, zum Beispiel an einem warmen Wochenende im Mai.

Am Freitag, den 10. Mai, steigt an der Volkstrasse das Schlagerspiel der zweiten österreichischen Liga: SK Vorwärts gegen den Floridsdorfer AC (19.10 Uhr). Das Hinspiel in Wien gewannen unsere Steyrer, Revanche liegt in der Luft.

Samstag und Sonntag ziehe ich auf zwei kleinere Plätze, Lokalderbys sind angesagt. SV Garsten trifft zu Hause auf Vorwärts Amateure/ATSV Steyr (Sa. 11. Mai, 17.00) und SK Amateure Steyr kämpft in der 1. Klasse Ost gegen ATSV Stein (So. 12. Mai, 17.00; „Amateurplatz“ am Steinwändweg)

Der Stadtkult des runden Leders 3

Zugegeben, nicht die Premiere League, nicht das Camp Nou in Barcelona, alles etwas kleiner, aber nicht weniger emotionsgeladen, womöglich spannender. Und das Bier ist mindestens so gut, die frische Bosna am Vorwärtsplatz sowieso besser.


kitsch as kitsch can - Kulturtipp im Advent 3

Christoph Jungwirth lebt in Garsten und ist Geschäftsführer des BFI OÖ.

In seiner Kolumne erzählt er uns von seinen Kulturtipps der aktuellen Saison.

kitsch as kitsch can – Kulturtipp im Advent

in Kulturtipp von Christoph Jungwirth/Advent in Steyr/Leben
kitsch as kitsch can - Kulturtipp im Advent 9

Christoph Jungwirth präsentiert seine Tipps für den Advent

Weihnachtszeit ist eine gute Gelegenheit zu beichten – und ehrlich gesagt, wenn ich reise, liebe ich auch die kitschigen Destinationen: die Grottenbahn in Linz, das Riesenrad in Wien, den Gaudi Park in Barcelona oder das Weihnachtsmanndorf im nordfinnischen Rovaniemi. Erfreulicherweise bietet das winterliche Steyr viel weihnachtlichen Kitsch (zugegeben, manche würden Tradition sagen).

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Erlebnisbahn im Weihnachtsmuseum © Ralf Hochhauser

Mein Liebling ist die Christkindlwelt im Weihnachtsmuseum am Michaelerplatz (23. November bis 6. Jänner, täglich von 10 bis 17 Uhr). Besonders mag ich die Fahrt mit der Erlebnisbahn über drei Etagen bis in die Engerlwerkstatt – übrigens technisch gesehen dieselbe Bauart wie eine Geisterbahn, aber weniger zum Fürchten.

Fast ebenso aufregend ist die mechanische Krippe von Karl Klauda (1855 – 1939) im Pfarramt Christkindl. Eine obskure Mechanik mit Fahrradketten und Zahnrädern bewegt mehr als 150 geschnitzte Figuren durch eine vorgeblich biblische Landschaft, die teilweise in Steyr angesiedelt ist (zur Weihnachtszeit täglich geöffnet). Der Weg dorthin ließe sich auch mit der Steyrtal Museumsbahn (hoher Kitsch- oder Romantikfaktor, je nachdem, wie man gestimmt ist) bewältigen. Abfahrt beim Steyrer Lokalbahnhof bis zur Station Unterhimmel-Christkindl und von dort bergan zu Wallfahrtskirche

Fahrpläne unter: www.steyrtalbahn.at

Abschließen würde ich die Weihnachtstour beim Steyrer Kripperl im Innerberger Stadl. Eines der letzten noch bespielten Stabpuppen-Theater im deutschen Sprachraum – der Lichtlanzünder ist wohl allen Steyrer Kindern und kindgebliebenen Erwachsenen ein Begriff.


kitsch as kitsch can - Kulturtipp im Advent 11

Christoph Jungwirth lebt in Garsten und ist Geschäftsführer des BFI OÖ.

In seiner Kolumne erzählt er uns von seinen Kulturtipps der aktuellen Saison.

Literarisches Flanieren und Spazieren

in Kulturtipp von Christoph Jungwirth/Leben

Kulturtipp von
Christoph Jungwirth

Literarisches Flanieren und Spazieren 18

Dieser Sommer verführt zum Flanieren in der Stadt. Dazu finden sich bei meinen Büchern Steyrer Stadtführer aus drei Jahrhunderten – ich wähle den aktuellsten: Reinhard Kaufmanns „Kleiner Führer durch Steyr“ (Verlag Ennsthaler).

Beim Durchblättern ist schnell klar, ich bleibe thematisch bei den Büchern und begebe mich mit diesem schön bebilderten Begleiter auf literarische Spurensuche.

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Reinhard Kaufmann „Kleiner Führer durch Steyr“ (Verlag Ennsthaler) ©Anna Ritzberger-Moser

Meine Runde beginne ich am Friedhof Tabor und besuche das Urnengrab der in Frauenstein geborenen Autorin Marlene Haushofer. Die Erinnerungen kreisen um ihre Bücher „Die Wand“ und „Wir töten Stella“, beide wunderbar verfilmt u.a. mit Martina Gedeck.

Von der Terrasse des Taborturms sehe ich die ehemaligen Steyr Werke. Reinhard Kaufmanns Büchlein weist mich auf einen – wenn auch unvermuteten – literarischer Bezug hin. Bert Brecht textete ein Werbegedicht für die renommierten Steyr-Automobile: „Singende Steyrwägen – Wir stammen / Aus einer Waffenfabrik, Unser kleiner Bruder ist / der Mannlicherstutzen, Unsere Mutter aber / eine steyrische Erzgrube ….“ . Als Honorar erhielt der Dramatiker und Lyriker einen damals hochmodernen Steyr XII, den er fortan auf Reisen fuhr.

Taborstiege und Zwischenbrücken führen mich weiter zum „Stollen der Erinnerung“, der mich an den bekanntesten zeitgenössischen Autor aus Steyr erinnert: Erich Hackl machte Schicksale des faschistischen Spaniens und des Nationalsozialismus zu zentralen Themen seines Schaffens. So schreibt er in „Abschied von Sidonie“ von einem Roma-Mädchen aus Neuzeug.

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Eingangsbereich Stollen der Erinnerung © Buchberger

Nun erreiche ich das Schloss mit der sehenswerten Lamberg’schen Bibliothek (Besuch nur im Rahmen von Stadtführungen – u.a. am 29.9. und 27.10.2018; www.steyr.info).

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Lamberg’sche Schlossbibliothek © Wolfgang Hack

Weiter geht ́s in den Schlosspark. Auf 13 Metallstelen finden sich „Parkgedichte“, auch von den Steyrern Dora Dunkl und Till Mayrhofer.

Den Park verlasse ich zur Promenade hin, flaniere vorbei an Robert Musils Volksschule (1886 bis 1990) und besuche die Gedenktafel an seinem Elternhaus in der Preuenhuberstraße. Voll Respekt nehme ich mir vor, mich wieder mal an seinem „Mann ohne Eigenschaften“ zu versuchen. Aber zuvor lass ich meinen Spaziergang bei einem Bier im schattigen Gastgarten des Schwechaterhofes ausklingen.


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Christoph Jungwirth lebt in Garsten und ist Geschäftsführer des BFI OÖ.

In seiner Kolumne erzählt er uns von seinen Kulturtipps der aktuellen Saison.

Kultur Tipps für den Frühling

in Kulturtipp von Christoph Jungwirth/Kunst & Kultur

Seitenweise

Müsste ich mich für eine Muse entscheiden, würde ich Kalliope wählen – Orpheus Mutter mit Schreibtafel und Griffel, zuständig für Dichtung – und hier nur über Bücher schreiben.

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Erhard Busek und Emil Brix © Manfred Weis

Da Literaturtipps in diesem feinen Magazin an anderer Stelle und die Steyrer Literaturtage (Vorfreude bei mir auf die Veranstaltung in Steyrer Innenhöfen ab 18. Mai) prominenter platziert sind, werbe ich für (Vor)Lesungen bei Kulturveranstaltern unserer Stadt.

Kultur Tipps für den Frühling 30
Alex Beer © Ian Ehm

Am 23. März beginnt die Steyrer Kriminacht um 19 Uhr in der Buchhandlung Ennsthaler mit Hans Platzgumer, dann wird gemeinsam zu weiteren Tatorten aniert: H.P. Vertacnik liest in der Stadtbücherei und A. Beer im Kulturzentrum AKKU. Ebendort geht für „Herr der Ringe“ Fans der Tolkien Reading Day über die Bühne (25. März, 20 Uhr).

Politischer gibt sich das Museum Arbeitswelt – Ingrid Brodnig liest aus „Lügen im Netz“ (4. April, 19 Uhr) und Erhard Busek mit Emil Brix aus dem Buch „Mitteleuropa revisited“ (18. April, 19 Uhr).

Und weil Bücher nie zu früh entdeckt werden können, lädt die Buchhandlung Ennsthaler am 31. März, 14. sowie 28. April (jeweils 15 Uhr) zum Vorlesen von Kinderbüchern für 3- bis 6-Jährige, Eltern natürlich willkommen.

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Ingrid Brodnig liest aus „Lügen im Netz“ © Ingo Pertramer Brandstaetter Verlag

Und im Nachsatz schon jetzt (weil zuletzt so rasch ausverkauft) eine Vorschau auf den Sommer. Ab 12. Juni wird zum „Juni im Gartenhaus“ geladen – mit Vernissage, Lesungen, Figurentheater, Hörspiel, Konzerten, Künstlergesprächen, Wein und Kulinarik. www.gartenhaus.or.at


Kultur Tipps für den Frühling 32

Christoph Jungwirth lebt in Garsten und ist Geschäftsführer des BFI OÖ.

In seiner Kolumne erzählt er uns von seinen Kulturtipps der aktuellen Saison.

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