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Kulturtipp

Literarisches Flanieren und Spazieren

in Kulturtipp von Christoph Jungwirth/Leben

Kulturtipp von
Christoph Jungwirth

Dieser Sommer verführt zum Flanieren in der Stadt. Dazu finden sich bei meinen Büchern Steyrer Stadtführer aus drei Jahrhunderten – ich wähle den aktuellsten: Reinhard Kaufmanns „Kleiner Führer durch Steyr“ (Verlag Ennsthaler).

Beim Durchblättern ist schnell klar, ich bleibe thematisch bei den Büchern und begebe mich mit diesem schön bebilderten Begleiter auf literarische Spurensuche.

Reinhard Kaufmann „Kleiner Führer durch Steyr“ (Verlag Ennsthaler) ©Anna Ritzberger-Moser

Meine Runde beginne ich am Friedhof Tabor und besuche das Urnengrab der in Frauenstein geborenen Autorin Marlene Haushofer. Die Erinnerungen kreisen um ihre Bücher „Die Wand“ und „Wir töten Stella“, beide wunderbar verfilmt u.a. mit Martina Gedeck.

Von der Terrasse des Taborturms sehe ich die ehemaligen Steyr Werke. Reinhard Kaufmanns Büchlein weist mich auf einen – wenn auch unvermuteten – literarischer Bezug hin. Bert Brecht textete ein Werbegedicht für die renommierten Steyr-Automobile: „Singende Steyrwägen – Wir stammen / Aus einer Waffenfabrik, Unser kleiner Bruder ist / der Mannlicherstutzen, Unsere Mutter aber / eine steyrische Erzgrube ….“ . Als Honorar erhielt der Dramatiker und Lyriker einen damals hochmodernen Steyr XII, den er fortan auf Reisen fuhr.

Taborstiege und Zwischenbrücken führen mich weiter zum „Stollen der Erinnerung“, der mich an den bekanntesten zeitgenössischen Autor aus Steyr erinnert: Erich Hackl machte Schicksale des faschistischen Spaniens und des Nationalsozialismus zu zentralen Themen seines Schaffens. So schreibt er in „Abschied von Sidonie“ von einem Roma-Mädchen aus Neuzeug.

Eingangsbereich Stollen der Erinnerung © Buchberger

Nun erreiche ich das Schloss mit der sehenswerten Lamberg’schen Bibliothek (Besuch nur im Rahmen von Stadtführungen – u.a. am 29.9. und 27.10.2018; www.steyr.info).

Lamberg’sche Schlossbibliothek © Wolfgang Hack

Weiter geht ́s in den Schlosspark. Auf 13 Metallstelen finden sich „Parkgedichte“, auch von den Steyrern Dora Dunkl und Till Mayrhofer.

Den Park verlasse ich zur Promenade hin, flaniere vorbei an Robert Musils Volksschule (1886 bis 1990) und besuche die Gedenktafel an seinem Elternhaus in der Preuenhuberstraße. Voll Respekt nehme ich mir vor, mich wieder mal an seinem „Mann ohne Eigenschaften“ zu versuchen. Aber zuvor lass ich meinen Spaziergang bei einem Bier im schattigen Gastgarten des Schwechaterhofes ausklingen.


Christoph Jungwirth lebt in Garsten und ist Geschäftsführer des BFI OÖ.

In seiner Kolumne erzählt er uns von seinen Kulturtipps der aktuellen Saison.

Kultur Tipps für den Frühling

in Kulturtipp von Christoph Jungwirth/Kunst & Kultur

Seitenweise

Müsste ich mich für eine Muse entscheiden, würde ich Kalliope wählen – Orpheus Mutter mit Schreibtafel und Griffel, zuständig für Dichtung – und hier nur über Bücher schreiben.

Erhard Busek und Emil Brix © Manfred Weis

Da Literaturtipps in diesem feinen Magazin an anderer Stelle und die Steyrer Literaturtage (Vorfreude bei mir auf die Veranstaltung in Steyrer Innenhöfen ab 18. Mai) prominenter platziert sind, werbe ich für (Vor)Lesungen bei Kulturveranstaltern unserer Stadt.

Alex Beer © Ian Ehm

Am 23. März beginnt die Steyrer Kriminacht um 19 Uhr in der Buchhandlung Ennsthaler mit Hans Platzgumer, dann wird gemeinsam zu weiteren Tatorten aniert: H.P. Vertacnik liest in der Stadtbücherei und A. Beer im Kulturzentrum AKKU. Ebendort geht für „Herr der Ringe“ Fans der Tolkien Reading Day über die Bühne (25. März, 20 Uhr).

Politischer gibt sich das Museum Arbeitswelt – Ingrid Brodnig liest aus „Lügen im Netz“ (4. April, 19 Uhr) und Erhard Busek mit Emil Brix aus dem Buch „Mitteleuropa revisited“ (18. April, 19 Uhr).

Und weil Bücher nie zu früh entdeckt werden können, lädt die Buchhandlung Ennsthaler am 31. März, 14. sowie 28. April (jeweils 15 Uhr) zum Vorlesen von Kinderbüchern für 3- bis 6-Jährige, Eltern natürlich willkommen.

Ingrid Brodnig liest aus „Lügen im Netz“ © Ingo Pertramer Brandstaetter Verlag

Und im Nachsatz schon jetzt (weil zuletzt so rasch ausverkauft) eine Vorschau auf den Sommer. Ab 12. Juni wird zum „Juni im Gartenhaus“ geladen – mit Vernissage, Lesungen, Figurentheater, Hörspiel, Konzerten, Künstlergesprächen, Wein und Kulinarik. www.gartenhaus.or.at


Christoph Jungwirth lebt in Garsten und ist Geschäftsführer des BFI OÖ.

In seiner Kolumne erzählt er uns von seinen Kulturtipps der aktuellen Saison.

Zu Besuch bei Künstlerinnen und Könnern | Kulturtipp im Herbst

in Kulturtipp von Christoph Jungwirth/Kunst & Kultur

Christoph Jungwirths Kulturtipp für den Herbst

„Von Steyr aus führt eine stundenlange Kastanienallee hinüber nach Garsten. Die große Strafanstalt beherrscht den kleinen Ort. Ein paar Straßen mit niedrigen Häusern, kaum ein größerer Kaufmannsladen im ganzen Dorf.“ Ich folge dieser Reisebeschreibung aus 1905 zu meinem Freund und Maler Edgar Holzknecht.

Wir trinken ein Bier, genießen neue und halbfertige Werke. Zumeist Acryl und Fettkreide auf Leinwand, mit denen er Menschen, Pflanzen oder Städte abstrahiert, konkretisiert, reduziert und so wieder sichtbar macht. www.edgarholzknecht.at

© Edgar Holzknecht

Zurück in der Stadt schaue ich bei der mehrfach ausgezeichneten Medien- und Konzeptkünstlerin Bernadette Huber vorbei. Sie residiert in Atelierräumlichkeiten in der Blumauergasse (Terminvereinbarungen: www.bernadettehuber.at).

Bernadette Huber | Oscar Holub © Fotos: Huber | Thomas Smetana

Mit einem Abstecher in Petra Hochgatterers Keramikatelier in Zwischenbrücken (www.keramik-kunst-hochgatterer.at) spaziere ich in die Sierningerstraße.

Zwei Künstlerklausen besuche ich hier jedenfalls: Oscar Holub, dessen Bilder auch mein Büro zieren und an die Tradition der „neuen Wilden“ erinnern (www.oscarholub.at), sowie Erich Fröschls Galerie Steyrdorf mit eigener Radierwerkstätte und Werken von Prof. Mostböck (Kontakt: 07252 86922).

 


Christoph Jungwirth ist Geschäftsführer des BFI OÖ und lebt in Garsten

Kulturtipp von Christoph Jungwirth

in Kulturtipp von Christoph Jungwirth/Kunst & Kultur

Summer in the City

Auch wenn manche sagen, in den Ferien sei in Steyr nichts los, sommerlicher Kulturgenuss kommt in meiner Lieblingsheimatstadt nicht zu kurz.

Ein perfekter Tag beginnt „beim Ennsthaler“, mit einer Ration Buchkultur. Dann quere ich den Stadtplatz Richtung Café Rahofer – frühstücken, tratschen, politisieren und die Welt retten. Kaffeehauskultur im kühlen Renaissancehof.

© Cafe Restaurant Rahofer

Vor der Mittagshitze fliehe ich ins Nass der Schwimmschule und verbummle den Nachmittag inmitten traditioneller Arbeiterkultur – Badebetrieb seit 1874 und zuletzt stilvoll erneuert.

Oder ich fröne in der Unterhimmler Au der Freikörperkultur: in der Sonne dösen, lesen, in der Steyr abkühlen – und das fast mitten in der Stadt.

Abends geht`s zu den Serenaden im interessant morbiden Schloss Rosenegg. Am 1., 12., 25. und 29. August (19 Uhr; Kultursommer Rosenegg) lädt Ilona von Ronay zu klassischer Musik bei Kerzenschein – Sommernächte wie aus der Zeit gefallen.

Musiksommer Schloss Rosenegg © Klaus Mader

Oder es treibt mich zurück in die Stadt. Der Tag klingt aus bei Filmkultur unter freiem Himmel: Sommerkino ab Mitte Juli im Schlossgraben, Dominikanerhof und Citykino (www.openairkino.at).


Christoph Jungwirth ist Geschäftsführer des BFI OÖ und lebt in Garsten

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